Jakub Stanjura: Da war doch nichts
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Jakub Stanjura: Da war doch nichts
Danielas Leben scheint geordnet: Studium, Beziehung, Routine. Doch jedes Jahr im August kommt etwas Dunkles zurück – Erinnerungen, die sie lange verdrängt hat und die nun drohen, ihr ganzes Leben ins Rutschen zu bringen. Ein beklemmend aktueller Roman über Wahrheit, Macht und die Schwierigkeit, sich selbst wiederzufinden.
In Lesung und Gespräch mit Christina Frankenberg (Tschechisches Zentrum Berlin) und seinem deutschen Verleger Ruben Höppner stellt Jakub Stanjura (*1993) seinen Debütroman vor. Die deutsche Übersetzung von Mirko Kraetsch erschien im Frühjahr 2025 im Anthea Verlag.
Da war doch nichts. Diesen Satz hört Daniela schon in ihrer Kindheit. Wenn die neu gekaufte Kleidung ihr schnell wieder zu eng ist und die Mutter sie mahnt, sich beim Essen zurückzuhalten. Oder wenn sie herausfinden will, woher die blauen Flecken am Oberarm ihrer kleinen Schwester stammen. Sie hat die Mutter im Verdacht, ihre Kleidung zu heiß zu waschen und die Schwester böswillig zu kneifen, aber die anderen Familienmitglieder ziehen ihre Beobachtungen regelmäßig in Zweifel. Als Daniela mit dem Studium beginnt, ist sie froh, diesem Elternhaus zu entkommen. An der Prager Uni trifft sie Štěpán, er ist klug, belesen und immer sehr um sie besorgt. Aber ist sein Interesse ehrlich? Oder will er sie kontrollieren? Daniela fühlt sich bald erdrückt in dieser Beziehung, sie ist verunsichert und droht den Boden unter den Füßen zu verlieren.
Jakub Stanjuras mit kühler Intensität erzählter Roman deckt die Mechanismen von Gaslighting auf, einer Form von psychischer Gewalt, bei der ein Mensch einen anderen durch Lügen und Manipulation dazu bringt, der eigenen Wahrnehmung nicht mehr zu trauen. Der Autor ist studierter Anglist und Bohemist. Da war doch nichts erschien unter dem Originaltitel Srpny im Brünner Verlag Host und wurde von Divadlo Feste für das Theater adaptiert.
Eine gemeinsame Veranstaltung der Philipp-Schaeffer-Bibliothek, des Tschechischen Zentrums Berlin und des Anthea Verlags, mit freundlicher Unterstützung durch das Projekt Czechia 2026 im Rahmen des Jahres der tschechischen Kultur. Den Büchertisch gestaltet Bücher am Nonnendamm.
Philipp-Schaeffer Bibliothek
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