Ringelnatz’ Literatur und Kunst am Ende der Weimarer Republik
Daniel Langner im RingelnatzSommer 2026
Das Jahr 1933 bringt mit dem Beginn der Nationalsozialistischen Terrorherrschaft das Ende der Weimarer Republik und – wie für viele andere Intellektuelle, Künstler und Literaten – auch für Joachim Ringelnatz Repression und Schikane: Einige seiner bekanntesten Titel stehen auf den Listen der Bücherverbrennungen, Bilder werden aus Galerien und Ausstellungsräumen entfernt, vor allem aber führen Auftrittsverbote sehr schnell zu Einnahmeausfällen und schließlich existentieller Not. Gegen Ende des Jahres verschlimmerte sich zudem sein Gesundheitszustand rapide.
Viele Gedichte und Bilder, die Ringelnatz in dieser schwierigen Zeit schrieb und malte, zählen zu den herausragenden Werken seiner eigenwilligen Dichtung und Bildkunst, nicht zuletzt, weil einige aufeinander Bezug nehmen: Sie gehören in einen unmittelbaren Zusammenhang, der in wechselseitigen motivischen und stilistischen Anspielungen Ausdruck findet. Seine Frau Muschelkalk hat zusammen mit den engen Freunden Hans Siemsen und Franz Hessel in der Auswahl des Nachlass-Bandes (Der Nachlaß von Joachim Ringelnatz. Ernst Rowohlt Verlag. Berlin 1935) die qualitätvollsten Beispiele dieser Literatur- und Kunstkompositionen herausgegeben. Die Deutung der zusammengehörenden Gedichte und Bilder lässt eine neue Sichtweise auf die Ringelnatz’sche Dichtung und Bildkunst zu.
Anhand der Vorstellung, Analyse und Interpretation zweier äußerst merkwürdiger Ölgemälde, zu denen gleichnamige Gedichte gehören (Hafenkneipe und Schwerer Fisch am Nagel, beide 1933) soll ein Einblick in Ringelnatz’ Schaffen während der Zäsur von Republik und Diktatur gegeben werden. Seine vielfältigen Verbindungen und Freundschaften zu Künstler- und Literatenkreisen, darunter zahlreiche jüdische Kunstförderer, wie der bekannte Galerist Alfred Flechtheim, aber auch jüdische Freunde aus dem Verlagswesen, Redakteure und Schriftstellerkollegen fließen in die Betrachtung ein. Mit dem Gedicht und Gemälde Schwerer Fisch am Nagel, so die These des Vortrags, hat Ringelnatz nicht nur das Ende der Weimarer Republik, sondern auch seinen eigenen Untergang in Wort und Bild vorhergesehen.
Abbildung: Ausschnitt aus dem Gemälde Hafenkneipe, 1933, Öl auf Leinwand © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Elke Walford
Ringelnatz-Geburtshaus
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