pretix

AI lost in Translation

20. März 2026

Lesezeit: 12 Minuten

Generative KI wie ChatGPT, perplexity und Gemini werden oft wie eine erweiterte Suchmaschine benutzt. Man gibt ein, was man sucht und welche Kriterien wichtig sind, und die KI liefert elaborierte Ergebnisse, mit denen weitergearbeitet werden kann. Doch obwohl bekannt ist und Entwickler*innen immer wieder darauf hinweisen, dass Antworten der KI falsch sein können und überprüft werden müssen, übernehmen Nutzende den Output oft unhinterfragt eins zu eins. So kommt es zu Anfragen bei unserem Support, der erklären muss, dass unser System in diesem Fall leider nicht so funktioniert wie die KI sich das vorstellt.

In unserer neuen Artikelreihe KI-Antworten im pretix-Faktencheck stellen wir die falschen Antworten richtig.


Oft klingen die Antworten einer KI so logisch, dass es schwer ist, die Fehler gleich zu entdecken. Es wirkt fundiert, immerhin gibt es Quellenangaben. Wer sich die Antworten aber genauer ansieht, merkt schnell, dass die KI Souveränität bei kompletter Ahnungslosigkeit vortäuscht. Die Antworten der KI sind keine Lösungen für eine Problemstellung!

Wir haben von einem Kunden zwei Prompts bekommen, die ihn letztendlich doch zu unserem Support geführt haben, der besser weiterhelfen kann als jede KI. Freundlicherweise dürfen wir die Prompts für diesen Artikel veröffentlichen und Stück für Stück sezieren. Die Fehler sind hier nicht offensichtlich, sondern in Details und Formulierungen versteckt.

Prompt 1: “pretix: Wo können Kategorie-Einstellungen verwendet werden?”

Die erste falsche Antwort der KI:

Unterschiedliche Ticketarten und Zusatzprodukte Bei komplexeren Events können Tickets und Zusatzprodukte je nach Kategorie erstellt, angepasst oder bestimmten Nutzergruppen zugänglich gemacht werden. So können beispielsweise Workshops, VIP-Tickets, Kombitickets oder Merchandising klar getrennt angeboten werden.

Der Fehler der KI:

Einer “Kategorie” in pretix werden mehr Funktionen zugesprochen als sie tatsächlich hat und dabei Verwendungen aufgezählt, für die sie nicht vorgesehen ist. Kategorien sind komplett optional und werden erst dann zwingend relevant, wenn beispielsweise Zusatzprodukte erstellt werden. Eine Kategorie kann einem Produkt zugeordnet werden, ein Produkt benötigt aber keine Kategorie, um verkauft werden zu können. Erstellt ein*e Veranstalter*in z.B. die Kategorie “Tickets”, kann in den Produkteinstellungen diese Kategorie ausgewählt und so dem Produkt zugeteilt werden, eine weitere selbst erstellte Kategorie “Merchandise” kann “Merchandise” wie T-Shirts und Hoodies beinhalten.

Was der Punkt Kategorien nicht kann:

  • Produkte anpassen, das geschieht über die Produkte selbst
  • Zugangsbeschränkungen im Shop für bestimme Gruppen, dafür empfehlen wir Rabattgutscheine
  • Die zweite falsche Antwort der KI:

    Saalplan-Editor: Im Saalplan-Editor können Kategorien speziell dafür genutzt werden, Sitzplätze nach Preiskategorien (z.B. Standard, Premium, Rollstuhlplätze) zu differenzieren und einzelnen Bereichen des Saalplans zuweisen. Das erleichtert die Preisgestaltung und die gezielte Steuerung der Verfügbarkeit.

    Die Fehler der KI:

    Die Kategorien im Sitzplaneditor sind losgelöst von den Kategorien im Backend. Die Kategorien im Sitzplaneditor sind eine Unterteilung der verschiedenen Bereiche im Sitzplan. Ihnen werden im Backend die jeweiligen Produkte zugeordnet, die in dieser Sitzplatzkategorie verkauft werden sollen. Dabei kann einer Sitzplatzkategorie nur ein Produkt (mit mehreren Varianten) zugeordnet werden. Die Preisgestaltung erfolgt ausschließlich über die Produkte, die Verfügbarkeit wird über Kontingente gesteuert, nicht über den Saalplaneditor.

    Die dritte falsche Antwort der KI:

    Kontingente und Verfügbarkeiten: Kategorien können zusammen mit Kontingenten verwendet werden, um die Anzahl der verfügbaren Tickets oder Produkte zu begrenzen oder für bestimmte Gruppen zu reservieren.

    Die Fehler der KI:

    Kategorien und Kontingente bedingen sich gegenseitig an keiner Stelle. Sie haben nichts miteinander zu tun. Mit Kontingenten steuern Veranstaltende die Verfügbarkeit der einzelnen Produkte wie Tickets oder T-Shirts. Ein Produkt braucht ein Kontingent, um verkauft werden zu können, das Kontingent kann aber auch unbegrenzt sein. Reservierungen für bestimmte Gruppen werden über Gutscheincodes gesteuert.

    Die vierte falsche Antwort der KI:

    Zusammengefasst: Kategorie-Einstellungen in pretix dienen dazu, das Angebot im Shop logisch zu gruppieren, gezielt zu steuern und die Kundenerfahrung zu verbessern – etwa durch übersichtliche Gruppierung, benutzerdefinierte Preise und Promotion, Kontingentsteuerung, Cross-Selling und differenzierte Sitzplatz- oder Produktvergabe.

    Die Fehler der KI:

    Preise werden über die Produkte selbst festgelegt, auch manche Promo-Aktionen können hier abgebildet werden. Daneben können beispielsweise Gutscheincodes oder automatische Warenkorbrabatte genutzt werden. Mit Sitzplatz- oder Produktvergabe und Kontingenten haben Kategorien in pretix absolut nichts zu tun.

    Kategorien bieten eine Möglichkeit, Produkte zu gruppieren oder so im Shop aber auch im Backend übersichtlicher darzustellen. Für Zusatzprodukte und Cross-Selling Produkte sind Kategorien essentiell. Denn erst über die Zuordnung in eine Zusatzprodukt-Kategorie oder eine Cross-Selling-Kategorie kann das Produkt an den entsprechenden Buchungsschritten angezeigt werden.

    Zusatzprodukte werden ohne Vorauswahl des passenden Hauptproduktes gar nicht im Shop angezeigt. Dazu muss die Zusatzproduktkategorie im Hauptprodukt im Bereich “Zusatzprodukte” zugeordnet werden. Cross-Selling Produkte sind per se Hauptprodukte. Für sie gibt es in den Kategorieeinstellungen weitere Optionen, um festzulegen, ob sie immer oder nur angezeigt werden sollen, wenn bereits ein anderes Hauptprodukt ausgewählt wurde, oder sogar nur, wenn bestimmte Produkte ausgewählt wurden.

    Ein Laptop vor einer hell-violetten Fläche mit feinen Linien. Auf dem Laptop ist ein Screenshot aus dem pretix Backend zu sehen. Dort ist der Menüpunkt "Produktkategorien" zu sehen mit verschiedenen Kategorien. Einige davon sind eingeordnet als "Normale Kategorie" andere als "Zusatzproduktkategorie" und andere "Cross-Selling Kategorie"

    Prompt 2: Wie Kategorie bei einem Termin anwenden oder Termin zu einer Kategorie zuordnen?

    Die erste falsche Antwort der KI:

    Produkt (Termin) zuweisen:
  • In pretix ist ein „Termin“ technisch gesehen oft ein Produkt in einer Event-Serie mit Datum/Zeit.
  • Lege ein Produkt für den konkreten Termin an (z.B. Workshop am 10.10.) unter „Produkte“ → „Produkte“.
  • Im Produkt-Editor kannst du direkt die gewünschte Kategorie auswählen und zuweisen. Somit wird dieses „Produkt“ (z.B. ein bestimmter Termin, Zeitslot oder Workshop) der gewünschten Kategorie zugeordnet.
  • Bei Event-Serien („event series“) mit mehreren Einzelterminen kannst du für jeden Termin einzelne Produkte anlegen und diese ebenfalls jeweiligen Kategorien zuweisen.
  • Die Fehler der KI

    Die KI bezeichnet mehrfach fälschlicherweise Termine als Produkt. Nur die Tickets für einen Termin können ein Produkt sein. Sie vermischt Begrifflichkeiten und verwechselt zum Teil Termine mit Zusatzprodukten. Auch der Begriff Event-Serien verwirrt, er ist eine schlechte Übersetzung aus dem Englischen. “Eventseries” Veranstaltungsreihen im Deutschen.

    Auf der Terminebene können Kategorien nicht geändert werden. Es ist zwar nicht per se falsch, für jeden Termin einer Terminreihe eigene Produkte anzulegen, aber es wird auf Dauer unübersichtlich und erschwert so das Arbeiten. Vor allem ist es oft unnötig. Wir raten jedes Mal davon ab, wenn Kund*innen mit dieser Idee kommen, und suchen gemeinsam nach passenderen Lösungen.

    Die zweite falsche Antwort der KI:

    Anwendung in der Praxis: (…) Bei komplexeren Setups mit Zeitfenstern oder Add-ons kann über Plugins, Zeit-Felder oder Add-on-Konfigurationen im Produkt-Editor gesteuert werden, wie Termine und Kategorien zusammenarbeiten (z.B. Buchung eines Zeitfensters innerhalb einer bestimmten Kategorie als Zusatz zum Hauptticket)

    Die Fehler der KI

    Dieser Punkt ist so verwirrend geschrieben, dass auch ein Kollege aus dem Support ein paar Mal drüber lesen musste. Zum einen werden Begriffe aus der englischsprachigen Version äquivalent zu den Deutschen Begriffen benutzt oder schlecht ins Deutsche übersetzt, die es so in der deutschsprachigen Version nicht gibt und zu Verwirrung führen. Add-Ons in pretix sind im Deutschen Zusatzprodukte, Plugins sind Erweiterungen und auch “Zeit-Felder” ist nur eine schlechte Übersetzung von Time Slots, also den einzelnen Terminen in einer Veranstaltungsreihe.
    Zum anderen werden Einstellungen für Zusatzprodukte mit Veranstaltungsreihen und anderen Begriffen vermischt.

    Termine und Kategorien arbeiten nicht zusammen, das wurde bereits klar gestellt. Für Zusatzprodukte einer Kategorie gibt es eine Erweiterung, mit der zeitliche “Agenda Beschränkungen” eingebaut werden können. Eine Verwendung im Terminreihen, bei der die zeitliche Unterscheidung ja bereits durch den Termin gesteuert wird, ist meist nicht sinnvoll. Im Produkt selbst werden weder Termine noch Kategorieeinstellungen editieren, das geht nur über die jeweils eigenen Menüpunkte der Funktionen.

    Die dritte falsche Antwort der KI:

    Für Terminserien gilt: Lege für jeden buchbaren Slot ein Produkt an und ordne es der gewünschten Kategorie zu, um die Shopstruktur flexibel und kundenfreundlich zu halten.

    Die Fehler der KI:

    Dieser Vorschlag ist alles andere als flexibel und auch nur auf den ersten Blick kundenfreundlich. Wie bereits oben beschrieben führt es zu Unübersichtlichkeit im Backend, weil es, je nach Anzahl der Termine, so viele Produkte gibt, dass kein Überblick gewahrt werden kann. Auch Ticketkäufer*innen werden können hier mehr verwirrt werden, als gut ist.
    Wenn die Tickets, die in den Terminen verkauft werden, sich in den allgemeinen Informationen wie Preis, Ticketdesign, Fragen im Buchungsprozess nicht unterscheiden, sondern lediglich bei den Informationen, die im Termin festgelegt werden wie Zeit, Ort, Dauer etc. reicht ein Produkt für den ganzen Shop, dessen Kontingent dann über den Termin gesteuert wird. Erst wenn die Tickets sich darüber hinaus unterscheiden können mehrere Produkte oder ein Produkt mit mehreren Varianten sinnvoll sein. Unser Support berät hier gerne.

    In einer Terminreihe werden Produkte und gegebenenfalls Kategorien erstellt und konfiguriert, bevor die Termine und darin die Kontingente angelegt werden.

    Fazit

    Diese Prompts und Antworten waren deswegen so spannend, weil sie alle auf den ersten Blick korrekt klangen. Es wurden viele Begriffe verwendet, die es so bei pretix gibt. Allerdings wurden die Funktionen dahinter falsch erklärt oder falsch miteinander in Verbindung gesetzt und Begrifflichkeiten vermischt. Um es auf den Punkt zu bringen: die KI hat hier sehr viel geschwafelt, ohne Lösungen oder Mehrwert zu liefern. Die Antworten schaffen mehr Verwirrung als Klarheit, was zu Frustration auf Seiten unserer Kund*innen führt.
    Am Ende hatte unser Support die Lösung. Also schaut in so einem Fall lieber in unserer Doku nach, folgt uns auf Social Media für echte Tipps, oder meldet euch direkt bei unserem Support.

    Eure KI-Anfragen, unsere Antworten

    Ihr habt eurer Lieblings-KI auch Fragen zu pretix gestellt, die Antworten haben sich aber als falsch herausgestellt? Schickt uns gerne eure Prompts und die Antworten der KI zu. Unser Support hilft euch bei euren Fragen weiter, und unser Marketing Team stellt die Antworten der KI richtig, damit andere Kund*innen, die die gleichen Fragen haben wie ihr, gleich die richtige Antwort finden.
    Lest auch unseren anderen Artikel der Reihe: Wenn die KI Abos halluziniert.

    Dr. Eva-Maria Obermann

    Spielt gerne mit Worten und hilft wo es geht. Eva ist Marketingperson und Supportmensch in einem, steckt hinter unseren Social Media Kanälen und ist immer für unsere Kund*innen da. Abseits von pretix begeistert Eva sich für Literatur, Diversität und großartige Events.

    Mari Hansen

    Mari butschert am liebsten in ihren Video Cut und Grafikprogrammen rum oder tobt für pretix über eine Messe, immer auf der Suche nach aktuellen Trends und neuesten Informationen. Sie lebt quasi vor dem Rechner, nach Feierabend wird der Arbeitslaptop gegen den Gaming PC getauscht oder eine Programmiersprache gelernt. Keine Sorge, wenn sie zum Sport geht sieht sie auch mal das Sonnenlicht.

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