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Glaube, Liebe, Verzweiflung? Warum in der Eventbranche noch lange nicht das Licht ausgeht [Teil 2/2]

6. Aug. 2026

Lesezeit: 15 Minuten

Vor zwei Wochen haben wir in einem Blogartikel die Auswirkungen verschiedener globaler Krisen auf die Eventbranche analysiert. Wir wollen hier nichts schönreden. Die Eventbranche, vor allem im Bereich Kultur, ist durch die aktuellen Krisen und angekündigten Etat-Kürzungen in einer Titanic-gleichen Schieflage.

Aber, und das ist das Wichtige, es ist noch längst nicht Schicht im Schacht. Es gibt Hoffnung. Die gibt es zwar immer, aber manchmal muss man sie suchen gehen. Denn auch wenn Krisen die Ausgabebereitschaft bremsen, sind Events, bei denen Menschen aus welchem Grund auch immer zusammenkommen können, wichtiger denn je.

Es gibt ein paar Punkte, die der Eventbranche in die Hände spielen.

Eine Krise für die Eventbranche: Künstliche Intelligenz

Violette Plantine, deren Linien ein Hirn Formen, in der Mitte ein Quadrat auf dem AI steht Manche feiern Künstliche Intelligenz (KI) wie die Wiederkehr Christi, andere sehen in der ihr nur die Apokalypse ohne heilsbringenden Ausgang.

Die Theorie des Dead Internet gibt es bereits seit 2016. Eine der Thesen besagt, dass seit 2016 die Mehrheit der Interaktionen im Internet von Bots und nicht von Menschen stammt. Ob es 2016 stimmte oder nicht, seit 2024 stimmt diese Aussage auf jeden Fall. Und nicht nur die Interaktionen sind automatisiert, auch die Inhalte selbst, auf die Bots reagieren, sind inzwischen mehrheitlich mindestens mithilfe von KI erstellt. So fand eine Studie von ahrefs heraus, dass 2,5 % neuer Webseiten komplett von KI und 71,7 % zumindest mit Hilfe von KI erstellt wurden. Auf Social Media zeigt sich immer mehr die Verbreitung von sogenannten KI-Slop, also von minderwertigen, inhaltslosen „Inhalten”.

Während die Menschen KI nach wie vor so skeptisch wie neugierig gegenüber stehen und sich mit ihr ausprobieren, so sehr verbreitet sich inzwischen eine KI-Müdigkeit. Laut einer neuen Umfrage wünschen sich drei Viertel eine Arbeitswelt ohne KI zurück. Werbung, die KI-generierte Inhalte nutzt, wird weniger Vertrauen entgegengebracht. Bücher, die mit oder gar komplett mit KI geschrieben wurden, verkaufen sich deutlich schlechter und erhalten über alle Social-Media-Plattformen hinweg Backlash.

Was bedeutet das für die Eventbranche? So sehr wir im digitalen Zeitalter leben, so sehr spüren wir auch immer deutlicher die Grenzen, an die das digitale Leben stößt. Das machte sich bereits während der Corona-Pandemie bemerkbar, als sich das Sozialleben hauptsächlich online abspielte. „Ich, der ein Digital Native par excellence bin, will das [das Digitale] nicht mehr. Ich sehne mich nach dem Analogen”, schreibt der Pianist Igor Levit, der 2020 das Bundesverdienstkreuz u.a. für seine digital übertragenen Hauskonzerte bekam. Er brachte damit ein Stück Kultur zu den Menschen, die nicht zur Kultur durften. Das analoge fern der Digitalität fehlte und die Lücke offenbarte, wie wichtig das Zusammenkommen von Menschen ist, aber auch, wie essentiell Kultur und Veranstaltungen dafür sind. Sie dienen als eine mögliche Grundlage von Verabredungen und Austausch. Jetzt, wo sich immer mehr Künstlichkeit verbreitet, steigt das Verlangen nach Kunst und Natürlichkeit.

Das steigende Bedürfnis nach mehr Offline-Austausch belegt z.B. der Spotify-Report zur Gen Z 2024, Culture Next, in dem Teilnehmende äußerten, dass sie sich mehr denn je nach zwischenmenschlichen Kontakten sehnen. Online-Aktivitäten wie das „Doom-Scrolling” würden zu einem Gefühl der Einsamkeit beitragen. 74 % gaben in der Studie an, im letzten Jahr auf Konzerten gewesen zu sein. Die Westdeutsche Zeitung unterstützt dies: „Junge Deutsche setzen bei Ausgaben unterschiedliche Schwerpunkte. Erlebnisse sind ihnen wichtiger als materielle Güter. Reisen, Konzerte, Festivals und gemeinsame Unternehmungen mit Freunden rangieren in der Prioritätenliste weit oben.”

Millennials geht es ähnlich. In einer Studie von Eventbrite gaben 95 % der befragten Millennials und Gen Z an, ihre Online-Interessen im Rahmen von Präsenzveranstaltungen verfolgen zu wollen.

Das große Aber

Fünf Freunde, drei Frauen und zwei Männer, halten Mikros in der Hand und singen gemeinsam hinein, sie sind vermutlich bei einer Karaoke-Veranstaltung Trotz des eindeutigen grundsätzlichen Interesses an Events sprechen die rückläufigen Besuchendenzahlen aber nunmal eine deutliche und auf den ersten Blick andere Sprache. Wie passt das zusammen? Laut der Spotify-Studie sind die explodierenden Ticketpreise ein, wenn nicht gar der Grund für diese Diskrepanz. Sie sorgen dafür, dass mit dem gleichen Budget weniger Konzerte besucht werden können, was wiederum eine selektivere Auswahl nach sich zieht, welche Veranstaltungen überhaupt besucht werden. Zur Zeit gewinnen vor allem die Once-In-A-Lifetime-Acts, die aber auch Once-In-A-Lifetime-Preise nehmen. Tickets für 100 € gehören oft schon zur günstigsten Kategorie, nicht selten mit Sichtbehinderung. Der Standard für normale Tickets liegt zwischen 100 € und 300 €. Die Front Row wird sich nicht wie früher ab 7:00 Uhr morgens bei Wind und Wetter ersessen, inzwischen bieten viele Acts Front-of-Stage-Tickets an, die einen berechtigen, ganz vorne zu stehen, oft mit saftigen Aufschlag. Dass an den Ticketpreisen zumindest im Moment nicht viel gemacht werden kann, zumindest nicht, solange andere Krisen auf direktem und indirektem Weg Einfluss auf die Preisgestaltung haben, ist eine Tatsache, die hingenommen werden muss. Sowohl von Veranstaltungs- als auch von Besuchendenseite.

Und jetzt? Eine Antwort hat Alexander Prinz, der unter anderem selbst Festivalveranstalter ist: „Ticketpreise steigen, es gibt immer weniger Vielfalt, und selbst große Namen wie Wacken sind gefährdet. Man braucht zum Überleben (…) ein Alleinstellungsmerkmal und eine ganz besondere Verbindung zu seiner Community.” Das spielt der Einstellung der jungen Generationen zu, die sich sehr genau überlegen, welche Veranstaltungen sie besuchen wollen.

Aber es ist auch ein Hinweis an Veranstaltende, sich ihre Events genau anzugucken: Wo liegen die Besonderheiten, welche Aspekte gibt es nur bei mir oder zumindest nur selten woanders? Was von dem, was ich anbiete, passt (noch) zu mir? Das Wacken Open Air hat gerade erst einen Shitstorm kassiert, weil es ein Casino beherbergte. Das wurde kurz vor Start des Festivals zwar auf „einen Stand des Casinos” runtergeredet, Werbung für Glücksspiel ist es trotzdem und kommt in der Metal-Community in etwa so gut an wie Gewittervorhersagen für das Festivalwochenende.

Auch eine starke Verbindung zur Community ist eigentlich nichts Neues, aber eine der Säulen, die Veranstaltungen jetzt retten können. Prinz schließt sein Video mit dem Worten: „Wenn ihr sichergehen wollt, dass euer Lieblingsfestival das Festivalsterben überlebt, dann ist es ganz easy, kauft Tickets.” Als während Corona unabhängige Buchhandlungen durch die Lockdowns in Gefahr waren, schließen zu müssen, haben die Communities reagiert: überall in Deutschland bestellten Leser*innen Bücher bei ihren Lieblingsbuchhandlungen. Die Zeit in Isolation musste schließlich vertrieben werden, und tatsächlich schafften es die Communities, ihren Läden über die schwersten Zeiten hinwegzuhelfen. Ein eindeutiges Zeichen, um auch die eigene Community nicht zu unterschätzen oder nur als Einnahmequelle zu sehen.

Das Gründbedürfnis nach sozialen Kontakten

Im Hintergrund ist unscharf eine Freundesgruppe zu sehen, eine Person hält ein Handy in den Vordergrund, sodass man den Screen sehen kann. Es wird eindeutig ein Freunde-Selfie gemacht Es gibt aber auch sehr viel menschlichere Aspekte, die sich die Eventbranche vor Augen führen kann, um durch die Krisen zu navigieren.

Millennials und Gen Z wünschen sich also verstärkt mehr menschlichen Austausch. Ist das so besonders? Eigentlich nicht. Schon gar nicht in Krisenzeiten.

Die Sache mit der Resilienz

In Krisenzeiten suchen Menschen die Nähe von anderen. Sozialer Umgang, Austausch und gegenseitiges (unter-)stützen, aber auch einfach Ablenkung von den Sorgen des Alltags sind ein ein Grundbedürfnis des Menschen. Das liegt unter anderem daran, dass unser Gehirn quasi in den Wellness-Modus umschaltet, wenn wir Personen sehen, die wir mögen und schätzen. Unser Herzschlag verlangsamt sich, Oxytocin, das Bindungshormon, wird ausgeschüttet, während Cortisol, das Stresshormon, abgebaut wird. „Freunde sind wahre Stressdämpfer”, heißt es in einer Dokumentation über eine Studie zu Freundschaft am Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim. Freundschaften sind außerdem ein integraler Bestandteil von Resilienz, also der psychischen Widerstandskraft, die ausmacht, wie gut ein Mensch mit Krisen umgehen kann.

Nun sind Veranstaltungen wie Konzerte oder Museumsführungen nicht der einzige Ort, wo sich Freundschaften pflegen oder die Resilienz stärken lassen, ebenso wie Fachmessen nicht die einzige Möglichkeit sind, sich mit geschätzten Kolleg*innen aus der Branche zu treffen. Aber sie unterstützen das Vorhaben ungemein.

Heute geht Freundschaft doch digital - oder nicht?

Es sind tatsächlich die analogen Treffen, die den Unterschied ausmachen. Denn auch wenn Online-Freundschaften genauso stark sein können wie Offline-Freundschaften - Millennials können ein Lied davon singen, waren sie doch die erste Generation, die online Freunde fand, wenn sie im Umfeld eher allein und ausgeschlossen war -, werden die Stresshemmer nicht so intensiv ausgeschüttet wie bei einem analogen Treffen.

Ein gutes Beispiel ist, mal wieder, die Corona-Pandemie. Als während der langen Lockdowns die Kontaktverbote erlassen wurden, litten darunter irgendwann selbst diejenigen, die sonst sehr lange ohne direkten menschlichen Kontakt auskommen. Zwar gab und gibt es immer digitale Möglichkeiten für Kontakte, und die sind gerade für die Teilhabe essentiell, sie können aber nicht komplett das Sozialleben offline ersetzen. Die Zahlen der an Depression erkrankten Menschen stieg während der Pandemie massiv an, vor allem bei Kindern und Jugendlichen, was sich nicht nur auf die Bedrohungslage eines potentiell tödlichen Virus zurückführen ließ. Der individuellen Resilienz fehlten die persönlichen Kontakte, die sie normalerweise stärken.

Dass persönliche Treffen wichtig zur Stressabwehr sind, merken wir auch jüngst nach dem Attentat auf den Berliner CSD, bei dem ein Mensch ermordet und mehrere schwer verletzt wurden. Überall in Deutschland gab es daraufhin spontane Trauerzusammenkünfte, in denen Menschen Trost suchten und spendeten. Das ist eine Form menschlicher Interaktion, die nicht so leicht durch digitale Alternativen ersetzt werden kann.

Der KulturSalon+ in München

Im Vodergrund Stein- und Ton-Exemplare eine Ausgrabung. Dahinter steht einer Dreiergruppe, die einem vierten Mann zuhört Ein Beispiel aus dem Kulturbereich, das die Relevanz und Dringlichkeit für sozialen Austausch deutlich macht, ist der KulturSalon+. Die Beisheim Stiftung hat sich mit sieben Münchner Museen, unter anderem der Pinakothek der Moderne und dem Bayerischen Nationalmuseum, zusammengeschlossen, um einsamen älteren Menschen die Möglichkeit zu geben, regelmäßigen Austausch mit Gleichgesinnten und Gleichaltrigen zu haben. Dazu finden in den Museen an festen Wochentagen exklusive Fokusführungen mit anschließendem Austausch bei Kaffee und Kuchen statt.

„Einsamkeit ist ein Gefühl, das man nicht messen kann”, sagt Roxane Bicker, Leitung der Kulturvermittlung im Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst. Dey stellte das Projekt auf der diesjährigen Jahrestagung des Deutschen Museumsbundes in Münster vor, wo es großen Zuspruch erhielt. Eine der ersten Fragen aus dem Publikum war: „Gibt es sowas auch für uns junge Menschen?” Einsamkeit ist eindeutig kein Thema nur für ältere Semester mehr, es betrifft inzwischen alle Generationen. Die Resonanz auf das Angebot ist überwältigend. Die Termine sind schnell ausgebucht, teilweise müssen Ersatztermine für Gruppen, die über die Caritas und andere soziale Verbände angemeldet werden, gefunden werden, und die Nachfrage steigt kontinuierlich.

Während die Veranstaltungen des KulturSalons+ kostenfrei sind, um die Teilhabe für alle zu ermöglichen, zeigen die Rückfrage und die Resonanz auf das Programm, wie essentiell Events tatsächlich sind, unabhängig vom Thema. Gerade in Krisenzeiten brauchen Menschen Veranstaltungen vor Ort. Für Ablenkung und Austausch, für einen Perspektiv- oder Tapetenwechsel, für die eigene Resilienz.

Kann das weg?

Screenshot Events finden natürlich nicht nur in der Kultur statt, aber Kulturevents machen einen großen Teil der Eventbranche aus, vor allem im privaten Bereich. Darum lohnt es sich, die Kunst etwas genauer zu betrachten.

Kunst und Kultur sind immer in Gefahr. In totalitären Regimen werden sie gegängelt, unterdrückt und verboten; in Demokratien in guten Zeiten ignoriert und immer hintenangestellt, in schlechten Zeiten wird dort oft als erstes gekürzt. Und trotzdem sind sie immer noch da. Seit Jahrtausenden. Warum?

Kulturgüter wie Musik und Malerei begleiten die Menschheit von Anfang an. Selbst Menschen, die sich selbst als unmusikalisch bezeichnen und sich weigern, eine Triangel in die Hand zu nehmen, fangen an zu summen, wenn sie ein Kind auf dem Arm beruhigen wollen oder wenn sie vergnügt und etwas selbstvergessen durch die Welt gehen. Für das Malen braucht es zwar Materialien, wenigstens Farbe, denn als Unterlage geht auch die heimische Wand oder Omas gute Tischdecke, aber auch hier ist deutlich: sich gestalterisch auszudrücken, ist tief in der Evolution des Menschen verankert.

Die Philosophin Hannah Ahrendt erklärt in ihrem Hauptwerk Vita Activa oder Vom tätigen Leben: „Kunstwerke entstehen aus der menschlichen Fähigkeit, zu denken und zu sinnen.” Menschen setzen sich durch das Erschaffen von Kunst nicht nur mit der Schönheit der Welt auseinander - die zahllosen Liebesgedichte der letzten Jahrtausende sind der stärkste Beleg dafür - sondern vor allem auch mit dem Schlechten, Hässlichen, mit den Krisen des Lebens und der Welt. Menschen werden immer Kunst machen, weil es so tief im Menschsein verwoben ist, dass keine Krise der Welt das ausgelöscht bekommt. Und wo Menschen Kunst machen, gibt es Menschen, die diese Kunst sehen wollen. Deswegen wird es auch immer einen Bedarf nach Veranstaltungen geben, nur die Schwerpunkte können sich verschieben.

Gibt es sie noch, die Hoffnung?

Eine Lupe vergrößert den Wörterbucheintrag von Hope/Hoffnung Platt gesagt: Ja.

Weil es sie immer gibt. Es können allerdings Zeiten herrschen, in denen sie etwas intensiver gesucht und verteidigt werden muss, als in anderen. Wir haben gerade solche Zeiten. Angstvolle Zeiten.

60 % der Deutschen blickten zu Beginn des Jahres mit Angst auf 2026. Und Angst lähmt. „Angst führt zu Wut, Wut führt zu Hass, Hass führt zu unsäglichem Leid.” Meister Yoda aus Star Wars hat die Abwärtsspirale, die Angst auslöst und in der sich viele Demokratien im Moment befinden, ziemlich gut auf den Punkt gebracht. Deswegen ist Hoffnung zur Zeit so wichtig wie lange nicht mehr. „Hoffnung ist das einzige, was stärker ist als Furcht”, erkannte ausgerechnet der, wenn auch fiktive, Despot Coriolanus Snow in Die Tribute von Panem.

Wer heutzutage mit Hoffnung kommt, wird allerdings schnell als naiv oder verklärt abgetan. Wenn sich die Welt nur noch mit Sarkasmus und Zynismus ertragen lässt, ist es schwer, sie zu sehen oder zu akzeptieren. Auch deswegen treffen uns die Krisen so hart. Nicht nur, weil es viele sind und wir uns davon umzingelt fühlen, sondern weil sich alles so hoffnungslos anfühlt. Wir haben das Konzept der Hoffnung so lange ausgelacht, bis wir verlernt haben, sie zu erkennen.

Deswegen finden sich unter Videos, die zeigen, wie Spezialeinheiten der Feuerwehr aus allen Ecken der EU nach Frankreich rasen, Kommentare wie: „Ich verstehe gar nicht, warum ich jetzt weinen muss [wenn ich das sehe].” In einer Welt, in der gerade ein Konflikt den nächsten jagt, auf einem Kontinent, der historisch gesehen kein Jahrhundert ohne mindestens einen Krieg auskam, wird nicht wie in den Jahrhunderten davor gefragt: „Wie können wir die Krise der anderen für uns ausnutzen und ggf. Gebiete an uns bringen?”, sondern es wird gehandelt: „Wir sind schon unterwegs, um zu helfen!” Es werden Spezialeinheiten der Feuerwehr geschickt, nicht die Armee. Also, die Armee kommt auch, aber als Katastrophenschutz, nicht als Katastrophe. Das ist auch nach über 80 Jahren Frieden in der EU (und ihren Vorgängern) immer noch ein Bruch mit dem, was wir im Geschichtsunterricht gelernt haben und was wir immer noch tagtäglich sehen. Das, was uns bei solchen Bildern zu Tränen rührt, ist die Erkenntnis, dass unser Umgang miteinander so viel besser sein kann, als wir es oft gezeigt bekommen.

Alles gut und schön, aber gibt es auch Hoffnung für die Eventbranche?

Sicher.

Aber es gibt nicht die Antwort auf die Krisen, die uns gerade das Event-Leben schwer machen. Die Krisen sind so komplex wie die Lösungen, die wir brauchen, um sie zu überstehen. Deswegen braucht es den tieferen Blick auf das Wesen des Menschen, und deswegen wurde dieser Artikel auch sehr viel philosophischer als ursprünglich gedacht.

Hoffnung muss zurzeit oft aktiv gesucht oder anderen gezeigt werden, allem Zynismus zum Trotz. Doch auch dafür können Veranstaltungen ein grundlegender Boden sein, unabhängig davon, ob Business- oder Freizeitevent. Events sorgen dafür, dass Menschen zusammenkommen, und wo Menschen zusammenkommen, findet Austausch statt. Sogar über Hoffnung, auch wenn man sie dann oft eher „Lösungen” und „neue Wege finden” nennt.

„Drei Dinge helfen, die Mühseligkeiten des Lebens zu tragen: Die Hoffnung, der Schlaf und das Lachen”, sagte Immanuel Kant, und es gibt kaum ein Event, wo nicht gelacht wird. Na, das gibt doch Hoffnung.


Anmerkungen

Das Zitat von Igor Levit stammt aus: Levit, Igor, „Wir könnten, wir denn wollten.” Ein E-Mail-Wechsel, in: Ackermann et.al., Kann das wirklich weg? 57 Interventionen für die Kultur, Ch. Links Verlag, Berlin 2021.

In diesem Artikel wurde ein Neopronomen, dey, verwendet. Es gibt inzwischen eine Menge Neopronomen, die die Vielfalt geschlechtlicher Identität sichtbar machen.

Mari Hansen

Mari butschert am liebsten in ihren Video Cut und Grafikprogrammen rum oder tobt für pretix über eine Messe, immer auf der Suche nach aktuellen Trends und neuesten Informationen. Sie lebt quasi vor dem Rechner, nach Feierabend wird der Arbeitslaptop gegen den Gaming PC getauscht oder eine Programmiersprache gelernt. Keine Sorge, wenn sie zum Sport geht sieht sie auch mal das Sonnenlicht.

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